Jetzt hilft auch der Außenminister

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Sanierung von Dach, Saalfenstern und Eingangsbereich gesichert

3758081 1 201608092342-GLJ68SH8G.1-ORGPLESSA  Es grenzt an ein Wunder: Das zwischen 1956 und 1960 erbaute Kulturhaus in Plessa – nach der Wende schon dem Untergang geweiht – bekommt kräftige Infusionen. Die Medizinmänner sind zuallererst Einwohner des Ortes. Doch zunehmend mehr gesellen sich "Krankenpfleger" dazu: zuerst Künstler, dann Abgeordnete, später Ministerien und jetzt sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

3758078 1 201608092380-GLJ68SH8I.1-ORGNoch zieht und pfeift es durch die undichten meterhohen Fenster im großen Saal. Von der Verdunklungsanlage sind nur noch Bruchstücke erhalten. Noch schlimmer das Bild im Dachstuhl – in Plessa einer aus Stahl. Überall blinzelt die Sonne durch die undichten Ziegel. Die mächtigen Kronleuchter werden mit Winden, die trotz ihres Alters noch voll funktionsfähig sind, hinaufgezogen oder herabgelassen. Die Verdunklungsbahnen der Fenster werden auf jeder Seite gleichzeitig über eine Rolle, die gekurbelt werden kann, gesteuert. Was profan aussieht, hat mehr als 50 Jahre Dienst auf dem Buckel. Die Elektrik war so desolat, dass die Kabel beim Anfassen schon zerbröselten. Zum Glück, diese Baustelle ist keine mehr. Ortsbürgermeister Gottfried Heinicke beschwichtigt beim Vorort-Termin die ängstlichen Blicke. "Die Alten haben sich schon was gedacht bei der gesamten Konstruktion", sagt er zur SPD-Regionalbeauftragten Martina Mieritz, die das Kulturhaus Plessa für sich zur Chefsache erklärt hat. Schon länger kurbelt Pierre Wilhelm. Er hat das Kulturhaus deutschlandweit ins Gespräch gebracht – als Kulturdenkmal und als Ort, wo Bürger sich vom vorherrschenden Geschwafel über fehlendes Geld nicht beeindrucken ließen.

Sie haben geschrubbt, gehämmert, tapeziert – und so schließlich Eigenanteile in Höhe von fast 300 000 Euro erbracht. Binnen elf Wochen haben sie 12 500 Euro Spenden zusammenbekommen. Und trotzdem: Alles wäre ein Tropfen auf den heißen Stein geblieben, hätten sich nicht "höhere Ebenen" eingesetzt. 620 000 Euro sind aus Mitteln des europäischen Förderprogramms Leader bewilligt. Der Landkreis hilft, wo er kann, die Kommune buttert 155 000 Euro zu, die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz ist eingestiegen. Brandenburg beteiligt sich an der Kofinanzierung der EU-Mittel, Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) hat Bettelbriefe an den Bund geschrieben. Martina Mieritz zapfte Frank-Walter Steinmeier an, der als Bundestagsabgeordneter der SPD im Nachbarkreis in Ermangelung eines hiesigen SPD-Bundesvertreters Pate für Elbe-Elster ist. Er schrieb im März an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien mit der Bitte, das Kulturhaus Plessa ins Denkmalschutz-Sonderprogramm aufzunehmen. Er berichtete vom "langjährigen sozialen Engagement der Bevölkerung und prominenter Künstler" für den Erhalt. Mit Erfolg: Plessa bekommt weitere 125 000 Euro. Und so ist es beschlossen: Im Frühjahr nächsten Jahres ist Baubeginn.

Frank Claus

-Auszüge-

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