Petrus verliert auf offener Bühne seinen Bart

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Heidenspektakel und Vergabe von gleich zwei Aliwatschiorden beim großen Rosenmontagsball in Plessa

Kulturhaus Plessa Karneval 070226APLESSA Der Bart ist ab. Bei der Saison 2014/2015 der Karnevalisten in Plessa im Allgemeinen und bei ihrem Petrus im Besonderen. Auf ihre spezielle Weise haben die Narren sogar aus der Rasur ein besonderes Ereignis gemacht.

Der Karneval in Plessa ist nun schon mehr als 60 Jahre alt, doch so ein Szenarium hat es an einem Rosenmontag noch nie gegeben. Weil am Aschermittwoch alles vorbei ist und er nun nicht mehr gebraucht wird, wurde in der Nacht zum Dienstag der Bart von Petrus spektakulär auf offener Bühne vor den Augen hunderter Schaulustiger abrasiert. Der Plessaer Carnevals Club (PCC) hatte zum Entfernen des seit Anfang Oktober 2014 gewachsenen Petrus-Bartes extra eine Friseurin angagiert, die allerdings schon präsent war: Die Haar-Fachfrau war in der 58. Saison neben ihrem Partner Steffen Ast das gekrönte Haupt in Plessa. Prinzessin a. D. Friederike Rüdiger aus Großröhrsdorf gehört in der vierten Generation einer Friseurfamilie an, die es seit 1925 gibt, wie sie verrät. Klar, dass sie auch heute einige historische Bartmoden hin bekommt.

 

Kulturhaus Plessa Karneval 07023AKulturhaus Plessa Karneval 070220ASo wurde Petrus unter dem Abspielen des Musiktitels "Zehn nackte Friseusen" auf offener Bühne und auf einem eigens dafür herangekarrten Friseurstuhl zunächst in Walter Ulbricht, danach in Kaiser Wilhelm und nach diesem in Charlie Chaplin verwandelt.

Weil sich Petrus einer "Messerattacke" mit dem zum Rasiermesser umfunktionierten Schwerte des Prinzen verweigert hatte, kamen hauptsächlich ein Bart-Trimmer und eine Schere zum Einsatz. Nach der Prozedur, zu der auch eine Einfärbung des verbliebenen Kopfhaares gehörte, hatte sich Petrus wieder in den Bürger Lothar Thieme umgeformt, der damit auch gleich noch einen biblischen Jungbrunnen durchschritten hatte. "So kann er öfter aussehen", sagte Ehefrau Irene Thieme und behauptete, dass ihr Lothar vom Aussehen her 

Kulturhaus Plessa Karneval 070225Aetwa zehn Jahre dabei gewonnen hätte. Rein optisch könne er nun wieder an den "U-30-Partys" im Kulturhaus teilnehmen und ohne Hindernis Bier trinken, freute sich Lothar Thieme selber.

Was Lothar Thieme für die nächste, die 61. Saison wachsen lassen möchte, ist noch unklar. Über das kommende Karnevalsmotto wird erst noch entschieden, erklärte Vereinspräsident Peter Werner. Dafür gab es aber schon einen Ausblick auf die 66. närrische Saison in sechs Jahren, also 6 x 11.

Nach dem Durchschwimmen des Jungbrunnens sang Lothar Thieme in weißem Bademantel und live auf der Bühne den Udo Jürgens Titel: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spass daran ...". Gemeinsam mit Jürgen Nicklisch, der als paradiesischer Apfel kostümiert war, hatten Petrus und sein Bart in der 60. Jubiläumssaison in einer Mischung aus Moderation, Sketcheinlagen und Büttenrede hochaktuelle Probleme auf die Schippe genommen.

Kulturhaus Plessa Karneval 070221ANeben einem spektakulären Abschlussprogramm mit Bühnenfeuerwerk und dem "Besten Rosenmontagspublikum des Jahres 2015", so Prinzessin Jenny Thieme, gab es mit der Verleihung des Aliwatschiordens einen weiteren wichtigen Höhepunkt des Rosenmontages und auch dabei eine Besonderheit. Mit Ines Siegemund und Sven Siegemund wurden erstmals zeitgleich in der Geschichte des PCC einem Ehepaar gemeinsam je ein Aliwatschiorden verliehen.

Die Kindergärtnerin und der Werkstattleiter hatten sich 1993 beim Karneval kennengelernt. Nach dem Karneval als Prinzenpaar wurde 1997 geheiratet. "Sie schneidert viele Kostüme für Groß und Klein und trainiert die Kinder-Prinzengarde, das ist fein. Auch als Köhlerliesel, Russin, altes Weib oder Carmen Geiß, sie ist zu haben für jede . . . Rolle", hieß es unter anderem in der von Jürgen Schellschmidt verfassten, närrischen Laudatio.

"Damit auf der Bühne entsteht was Ihr seht, eine Menge Arbeit im Vorfeld ansteht. Er ist einer, der ist nicht nur fast Kulturhaus Plessa Karneval 070222Aimmer da, nein er bringt auch technische Kniffe und Lösungen ein, so wird unsere Bühne in jedem Jahr fein. Als Hippie, Bud Spencer oder Russe konnt' man ihn sehn und schließlich auch in der Blue Man Group, das ist wohl mit sein größter Coup", reimte Schellschmidt beispielhaft auf Sven Siegemund.

Der Aliwatschiorden ist die höchste Auszeichnung im Verein, er wird nur am Rosenmontag an einen Narren oder eine Närrin verliehen.

Veit Rösler / vrs1

  

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