3578019 1 201512081633-1-GIG5SDR16.1-ORGEs sind zwei Dinge, die Seraphien (11) und Amelie (9) gemeinsam haben. Sie beide kennen Frank Schöbel nicht. Und beide Mädchen sind durch ihre Omas aufgefordert worden, sich für den Auftritt mit dem Schlagerstar aus DDR-Zeiten zu melden.

Wundert es? Wenn von Frank Schöbel in der Adventszeit die Rede ist, "klingelt" es bei allen, die in der DDR aufgewachsen sind: "Weihnachten in Familie". Als Schallplatte oder Kassette, sie gehörte zum Haushalt dazu wie Waschmaschine oder Kühlschrank.

Das Album "Weihnachten in Familie" ist inzwischen seit mehr als 25 Jahren ein echter Klassiker – und das meistverkaufte Amiga-Album aller Zeiten. Die legendäre Aufnahme der DFF-Fernsehsendung vom 24. Dezember 1985, direkt "aus dem Wohnzimmer von Frank Schöbel", mit seiner damaligen Frau Aurora Lacasa und ihren Kindern Dominique und Odette sollte Kultstatus erlangen.

Seraphien und Amelie haben es geschafft: Sie gehören zu den Gesangstalenten, die aus etwa 70 Bewerbern für den Auftritt in Plessa ausgewählt worden sind.

3578020 1 201512101474-GIG5SDR15.1-ORGDeshalb ist jetzt tägliches Üben angesagt. Die RUNDSCHAU hat die Mädchen getroffen. Beide haben drei Titel erhalten, die sie nun einstudieren. "Guten Abend, schön' Abend" und "Schneeflöckchen, Weißröckchen" stellen kein Problem für die Schülerinnen dar. Unbekannt war ihnen bisher "Komm, wir malen eine Tanne". Auch da wissen "gelernte DDR-Bürger": Das kann nur ein Lied in Abwandlung des legendären Schöbel-Hits "Komm, wir malen eine Sonne" sein.

Seraphien bringt auch der unbekannte Text nicht aus der Ruhe. Viel aufgeregter ist ihre Mutter Elke. Doch wie hat sich Seraphien eigentlich beworben? Omi Rosemarie Böhme hatte den Aufruf in der Lausitzer Woche, eine Zeitung des LR-Medienverlages, am 4. Oktober gelesen und ausgeschnitten. Kenny (24), der große Bruder, zückte daraufhin spontan das Handy und nahm den Gesang und das Flötenspiel seiner kleinen Schwester auf. Mutter Elke begleitete am Klavier. Via Internet wurde alles verschickt und schon am 3. November konnte sich Seraphien über die Zusage freuen. "Ich dachte ja erst, es hat sich schrecklich angehört", erinnert sie sich. Die Jury hat das zum Glück anders gesehen.

Erstmals wird sie wie auch Amelie Frank Schöbel 90 Minuten vor dem Auftritt sehen. Am Gymnasium lernt Seraphien in der Leistungsbegabtenklasse. Sie spielt im Rahmen des Bläserklassen-Projektes Posaune und übt an der Musikschule Oberspreewald-Lausitz im Fach Querflöte und Klavier. Sie singt im Kammerchor der Musikschule, den Mutti dirigiert, und ist Bandmitglied in der Stark-Strom-Kids-Kinderband, einem Bandprojekt der Musikschule. Dreimal bereits startete sie mit großem Erfolg bei "Jugend musiziert!" und übt heimlich mit ihrem Bruder Schlagzeug spielen. Daneben macht sie in ihrer Freizeit Handarbeiten, liest leidenschaftlich gern, liebt ihre Katzen, bastelt viel und wünscht sich nichts sehnlicher als eine Querflöte aus Ebenholz.

Amelie Schönitz aus Bönitz – klingt das nicht schon irgendwie wie ein Künstlername? Die kecke Neunjährige, die zu den Leistungsstärksten in ihrer Klasse gehört, hat bereits viele Musikprojekte an ihrer Schule in Wahrenbrück mitgestaltet. Musiklehrerin Iris Wolschke erfüllt die Bitte von Amelies Mutter Daniela, jetzt etwas intensiver mit ihr zu üben, gern. In den Pausen und nach dem Unterricht haben beide viel Spaß miteinander. "Sie kann sehr gut die Melodie halten und ausdrucksstark singen", sagt Iris Wolschke. Dabei nimmt die kleine Bönitzerin noch gar keinen professionellen Gesangsunterricht. Sie tanzt in der Winklischen Prinzengarde und treibt gern Sport.

WIF2015 kulturhaus plessa Doch was will die Sängerin, die bald auf der Bühne vor vielen Menschen stehen wird, eigentlich anziehen? Da hat Amelie ganz klare Vorstellungen: "Bloß kein Kleid. Das kann ich gar nicht leiden. Lieber einen Rock, am besten kariert und irgendwie mit viel Rot." Die Haare, die sie sich sehr adrett schon selbst macht, möchte sie "offen tragen – das steht mir gut." Wie sie es sagt, dazu den Kopf bewegt und sich beim Foto in Position stellt, löst Schmunzeln aus. Sicher ist: Da darf sich Frank Schöbel auf zwei kesse Bienen freuen.

Zum Thema:
Drei Fanpakete mit einer CD von Frank Schöbel, seiner Autobiografie und einem Plakat verlost die RUNDSCHAU unter allen Lesern, die am Montag zwischen 14 und 14.10 Uhr in der Redaktion unter Tel. 03533 519422 anrufen. Karten für das Konzert in Plessa gibt es unter Tel. 03533 511162 und im Internet unter Direktlink zum Kartenvorverkauf