Süddeutsche Zeitung: Unbequeme Monumente

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Das Kulturhaus Plessa

Der Gasteig in München, das Barbican in London oder das Atatürk-Kulturzentrum in Istanbul sind zentrale Veranstaltungsorte für Konzerte, Theater oder Kino. Überall auf der Welt gibt es solche Orte. ln der ehemaligen DDR gab es circa 2000 Kulturhäuser, viele sind inzwischen abgerissen, umgenutzt oder verfallen. „Kulturhaus“ klingt in westdeutschen Ohren wie sozialistische Propaganda für Werkstätige. „Im Einigungsvertrag wurden die Kulturhäuser vergessen“, sagt Pierre Wilhelm. Der Jurist engagiert sich für den Erhalt des Kulturhauses in Plessa.

grosser saal blick von obenGroß und imposant wirkt der zwischen 1956 und 1958 errichtete, dreigeschossige Putzbau mit Satteldach in der Ortsmitte gleich neben der Kirche. Von den ehemals etwa 3500 Einwohnern Plessas in Brandenburg leben heute noch etwa 2800 im Ort. Ein Kulturhaus mit zwei Sälen, die 130 und 450 Sitzplätze bieten, übersteigt das Budget einer Kommune in einer schrumpfenden Region, in der die Einwohner oft andere Sorgen plagen. Knapp entging das Kulturhaus 2009 der Abrissbirne, denn es sollte einem Supermarkt weichen, obwohl es seit 1985 auf der Denkmalliste steht.

Dem neu gegründeten und anfangs belächelten „Kulturverein Plessa“ gelang es zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern, das Erdgeschoss wieder nutzbar zu machen. Im großen Saal feiert der regionale Karnevalsverein inzwischen wieder rauschende Feste, auch andere Vereine nutzen das Haus. Für die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten an Dach und Fenstern fehlen dem Verein 600 000 Euro. Wilhelm hofft, dass diese Summe aus verschiedenen Fördertöpfen zusammenkommt, denn in der strukturschwachen und schrumpfenden Region wirkt ein Kulturhaus als fester Treffpunkt für die etwa 300 000 Menschen in der Region wie ein Anker. „Das Kulturhaus Plessa fördert die regionale Identität“, sagt Wilhelm.

Von Ingrid Weidner  
                                                                  

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