Erich Wilhelm dirigierte im Orchester 40 Musiker

logo lausitzer rundschau gif vom 20.06.2012

80-jähriges Orchester der Bergarbeiter Plessa hält an Tradition fest / Blick in die Geschichte

Plessa   Vor 80 Jahren, genau am 20. Januar 1932, ist das Orchester der Bergarbeiter Plessa gegründet worden. Anlässlich dieses Jubiläums laden die Musiker unter der Leitung von Siegfried Göckert am Sonntag zu einem Festkonzert ins Kulturhaus ein. Die Bewahrung der Bergbautradition ist dem Verein auch heute noch sehr wichtig.

erich-wilhelm-orchester-kulturhaus-plessaDer Musizierfreude einiger Bergleute ist es zu verdanken, dass die wohl älteste Blaskapelle der Region 1932 gegründet wurde. Ihre korrekte Bezeichnung zu diesem Zeitpunkt: Blasorchester des Braunkohlenwerkes Plessa. Ein Jahr später wurden die Instrumentalisten auch als Bergmänner eingekleidet. Aufbau und Leitung übernahm damals Reinhold Ley. Die Formation trat bei Betriebs- und öffentlichen Veranstaltungen auf.

Im Dezember 1945 beauftragte der Leiter des Plessaer Braunkohlenwerkes Erich Wilhelm mit dem Wiederaufbau des Betriebsorchesters. Bis zu 15 Musiker konnte er bis zum Ende der 1940er-Jahre zum Mitspielen begeistern. Das erste größere Konzert fand am 20. Januar 1952 in der Gaststätte Nuck statt. Es sei so ein großer Erfolg gewesen, dass es wiederholt werden musste, heißt es in der Vereinschronik. Bei den ersten Arbeiterfestspielen 1959 in Halle setzten sich die Plessaer gegen 27 weitere Teilnehmer durch und wurden als zweitbestes Orchester ausgezeichnet. 1961 und 1962 kamen sie auf den dritten Platz und erhielten das Prädikat "Sehr gut".

Das Braunkohlenwerk Plessa gehörte ab 1964 zum Braunkohlenkombinat Lauchhammer. Was dem Namen nach auch Veränderungen für die Blasmusiker mit sich brachte: Blasorchester des BKK Lauchhammer. Durch die Unterstützung des Kombinates konnte bereits im Dezember 1962 in Zusammenarbeit mit der Plessaer Schule ein Nachwuchsorchester unter der Leitung von Erich Wilhelm gegründet werden. Mit 16 Schülern ging es los. Noch gut in Erinnerung ist bei vielen die Festveranstaltung zum 60-jährigen Bestehen des Orchesters und zum 30-jähringen der Nachwuchsgruppe 1992. Sie wurde vom Plessaer Männerchor, den es inzwischen auch nicht mehr gibt, und dem tschechischen Sänger Karel Hulinsky begleitet. Im Jahr darauf musste das Nachwuchsorchester wegen mangelnder Finanzierung und deutlich nachlassendem Interesse der Schüler aufgelöst werden.

Umso mehr freut sich auch das Orchester der Bergarbeiter, dass mit dem heute zu Ende gehenden Schuljahr an der Plessaer Grundschule eine Bläserklasse etabliert werden konnte. Was sie inzwischen drauf hat, wird sie beim Jubiläumskonzert am Sonntag unter Beweis stellen.

Zurück zum Blasorchester, das in den 1970er-Jahren bis zu 40 Mitglieder zählte. Bis zur politischen Wende hatte es jährlich zwischen 50 und 60 Auftritte bei Konzerten und Festen zu meistern. Dazu gehörten auch Auftritte beim tschechischen Partnerbetrieb in der Bergbauregion Most und im slowakischen Partnerrevier Spiska Nova Ves.

Als musikalischer Höhepunkt ist in der Chronik der 26. März 1983 verzeichnet. Beim Leistungsvergleich in Calau siegten die Plessaer und wurden mit der höchsten Bewertung in der ehemaligen DDR, dem Prädikat "Oberstufe Ausgezeichnet" geehrt. Der langjährige Leiter Erich Wilhelm übergab damals sein Amt an seinen Sohn Karsten Wilhelm.

2381139 1 LH ELS200103231030 20010323-GP83UHMG3.1-ORGDie Braunkohlenveredlung GmbH Lauchhammer trennte sich zum Beginn des Jahres 1991 von seinem Orchester und kündigte dem musikalischen Leiter. Im März sprang Erich Wilhelm wieder für ihn ein. Das Orchester der Bergarbeiter Plessa wurde als Verein eingetragen, dessen Vorsitz Albert Badack übernahm. Im Oktober wurde der heutige Vorsitzende Dr. Erhard Hänßgen gewählt. Kurz vor seinem 83. Geburtstag 2001 übergab Wilhelm den Dirigentenstab an Jürgen Hänsch. Seit 2004 hat Siegfried Göckert aus Meißen die musikalische Leitung inne. Heute spielen 25 Musiker im Bergarbeiterorchester.

red/pos Aus der Vereinschronik, aufgeschrieben von Manfred Meißner

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