Vier ehrenamtliche Fäuste für ein Bühnenbild

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Maik Richter und Dieter Herfurth unterstützen die Plessaer Karnevalisten seit vielen Jahren

Sie helfen Kranken, unterstützen Kindereinrichtungen oder organisieren das kulturelle Leben ihrer Gemeinden: Zehntausende Brandenburger engagieren sich im Ehrenamt. Maik Richter und Dieter Herfurth sind Bühnenbauer und bereiten jedes Jahr den traditionsreichen Plessaer Karneval vor.

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Ein paar letzte Handgriffe am Hexenhaus der Baba Jaga sind im Kulturhaus noch zu erledigen, dann kann die Karnevalssaison beginnen. Maik Richter und Dieter Herfurth werkeln am Bühnenbild, messen aus, verschieben einige Teile, schrauben und löten. Ohne die beiden Männer könnte die fünfte Jahreszeit nicht stattfinden.

„Sechs Wochen vor Saisonbeginn starten wir mit der Planung für das Bühnenbild entsprechend des Themas“, berichtet Richter. Bis zu vier Mann werden dann als Aufbautruppe festgelegt, so wie Maik Richter und Dieter Herfurth. Die beiden Bühnenhandwerker bauen vier bis fünf Wochen vor der Saisoneröffnung das Bühnenbild zunächst als Gerüst auf. Mit Pappen und Stoffen wird gearbeitet, bis die Malerarbeiten beginnen. „Die besten Ideen für ein optimales Bühnenbild entstehen beim Aufbau“, erzählt Richter. Da kann es schon vorkommen, dass Vorschläge verworfen und ganze Passagen umdisponiert werden. „Wir sind selber überrascht, was am Ende dabei rauskommt“, sagt der Karnevalsvorbereiter.

 

Dieter Herfurth (links) und Maik Richter (rechts) bei ihren ehrenamtlichen Arbeiten.

Gemeinsam mit Dieter Herfurth hat er seit vielen Jahren schon grandiose Bühnenbilder aufgebaut. Darauf sind die beiden Männer stolz. „Wir arbeiten mit bewegbaren Modulen, die ein schnelleres Umbauen möglich machen“, erklären sie. Maler-, Tapezier- und Putzarbeiten verrichten die fleißigen Helfer während der Entstehungszeit des Bühnenbildes. Hinzu kommen Parkettpflege und Glaserarbeiten. Lediglich für Elektroarbeiten bedienen sich die beiden Männer eines professionellen Elektrikers. „In den Bühnenbildern steckt immer viel Herzblut und Freude“, äußert sich Dieter Herfurth über die Resultate.

Maik Richter ist seit 2007 im Plessaer Carnevals-Club tätig. Der 42-Jährige wurde 2010 im „Elferrat“ zum „Minister für Dekoration“ ernannt. Das nicht ganz ernst zu nehmende karnevalistische Gremium des Elferrates setzt sich aus 15 Mitgliedern zusammen. „Ein Medien- und Versorgungsminister gehört ebenso dazu wie der Umzugsminister, ein Minister für Kostüme, für Musik und die Funkenministerin“, erklärt Richter die illustre Mannschaft. Für die Aufnahme in den Elferrat muss man sich bewerben. „Zunächst ist man Anwärter und muss sich zwei Karnevalssaisons beweisen“, schildert Richter. Danach folgt eine Abstimmung, ob die Aufnahme in den Rat erfolgt oder nicht.

Proben laufen auf Hochtouren

Derzeit laufen die Vorbereitungen des Plessaer Carnevals-Clubs auf Hochtouren. „Die Programmnummern werden einstudiert, fast täglich proben einzelne Garden hier im Kulturhaus“, so Richter. Als Beispiele nennt er die Funken-, Prinzen- und Ministergarde. „Auch eine Saalpolizei wird dabei sein, um das närrische Treiben unter Kontrolle zu halten“, sagt der 42-Jährige. Unter dem Motto „Blesse einfach märchenhaft“ soll dann am 11. November um 11.11 Uhr die diesjährige 57. Karnevalssaison gebührend eröffnet werden.

Seinen karnevalistischen Ursprung hatte Maik Richter 1988 in der Wagenbautruppe aus Kahla. „Damals gab ich in der Brigade „feuchter Knorpel“ ein Wolfgang Petry Double“, erinnert sich Richter an die Anfänge. Außerdem hat ihn die Arbeit im Plessaer Carnevals-Club schon immer fasziniert. 2007 stieg er dann endgültig in den Club ein.

Ein karnevalistisches Urgestein ist auch Dieter Herfurth, nur mit einer anderen Vorgeschichte. Der 71-Jährige arbeitete fast 20 Jahre ehrenamtlich in der Umzugstruppe „Die Sumpfbiber“ mit, die es auch heute noch gibt. Als Rentner stellte sich der Lauchhammeraner dann die Frage, wie er sich in den Plessaer Carnevals-Club einbringen kann. „Daheim brauchst du nicht zu sitzen, also geh kassieren“, dachte sich der fleißige Tüftler. „So habe ich als Kassierer schon die eine oder andere Saison mitgewirkt“, schildert Herfurth. Doch sein Tätigkeitsfeld ist viel umfangreicher, als der bescheidene Rentner zugeben will. So machte er bei der Sanierung der Säle und der Gaststube, des Büros und des Versammlungsraumes mit. Über diese handwerklichen Tätigkeiten sind Richter und Herfurth im Jahre 2008 dann zusammengekommen. „Wir ergänzen uns beide wunderbar“, freut sich Richter über seinen ehrenamtlichen Partner.

Die Familie wird eingebunden

Dennoch sehen die zwei Männer auch Probleme. „Es ist schwer geworden, die Leute zu überzeugen, hierher zu kommen“, so Richter. „Und manchmal hängt auch der familiäre Haussegen schief, wenn es zu viel ehrenamtliche Aktivitäten werden“, geben beide offen zu. Um dem vorzubeugen, werden die Familienmitglieder einfach in den Karneval einbezogen. „Meine Enkelin ist 2004 Kinderprinzessin geworden und jedes Jahr aktiv dabei“, berichtet Herfurth. Das sichert den so notwendigen Nachwuchs und pflegt das Ansehen des Plessaer Karnevals.

„Grundsätzlich macht es Spaß, unter Leute zu kommen, täglich sinnvolle Arbeit zu leisten und das kulturelle Leben hier im Ort zu erhalten“, äußert sich Richter zur persönlichen Bedeutung des Ehrenamtes. „Und es ist eine willkommene Abwechslung zum Alltäglichen.“ Dieter Herfurth gibt seine Unterstützung vor allem aus Liebe an der Sache. „Wenn man solche Tätigkeiten macht, sind Lust und Liebe Grundvoraussetzung. Aber auch das Zusammenwirken vieler Menschen ist notwendig“, so der Rentner. Anlässe der Geselligkeit ergeben sich für den 71-Jährigen, denn der Gemeinschaftsgedanke steht im Vordergrund. „Da der Anspruch in Plessa sehr hoch ist, sind wir jede Saison froh, wenn das Publikum unsere umgesetzten Ideen würdigt“, sagt Maik Richter.

Text und Foto: Rüdiger Hofmann

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