Tradition und Moderne – Verantwortung für die Zukunft

Das Kulturhaus im Herzen von Plessa ist weit mehr als nur ein Baudenkmal vergangener Zeiten, es ist ein Dokument von Industriegeschichte, von Veränderung und nicht zuletzt ein Zeugnis unzähliger Biographien. Es war, genau wie Plessa selbst, einem steten und teils sehr umfassenden Bedeutungswandel unterzogen. Mit dem Bau zwischen 1956 bis zur Einweihung 1960 wurden die merklichen Folgen des Krieges behoben. Bis zu diesem, der für das Dorf mit erheblicher Zerstörung und Verwüstung endete, verfügte Plessa über vier Säle, von denen nur zwei verblieben waren. Gerade aber die beiden im Ortskern waren unwiederbringlich verloren. Mit dem Wiederaufbau, der wirtschaftlichen Erholung – das Kraftwerk und die Brikettfabrik nahmen ebenso wie der Tagebau wieder in großem Umfang ihre Arbeit auf – und nicht zuletzt auch dem Bevölkerungszuwachs, bedurfte es auch einer Kulturstätte die den gestiegenen Ansprüchen schon allein räumlich entsprach. Dabei spielte neben dem Ort selbst auch die umliegende Region eine entscheidende Rolle. Dementsprechend liefen die Planungen und führten zu der Konzeption des Kulturhauses durch das Braunkohlenwerk (BKW) Plessa und abschließend zum Bau.

Nach der Einweihung nahm die kulturelle Entwicklung einen enormen Aufschwung. Das Kulturhaus erlangte schnell überregionale Anerkennung und Bedeutung und es wurde vor allem vor Ort angenommen und stetig mit Leben gefüllt. Es bot sich der Raum Kulturangebote zu schaffen, die dem ländlichen Raum sonst gänzlich vorenthalten geblieben wären. Bis zur politischen Wende 1989/90 hatte das Haus einen sehr guten überregionalen Ruf und wie man heute sagen würde Markencharakter.

Diese Wende bewirkte dann einen gravierenden Einschnitt in der gesamten Region. Mit der fast vollständigen Deindustrialisierung – der Braunkohleabbau verschwand fast völlig – wurde vieles, ja fast alles auf den Prüfstand gestellt. Mit den beschriebenen Veränderungen aber auch stattlichen Entscheidungen – im Einigungsvertrag wurde dieser Bereich des DDR-Kulturwesens schlicht vergessen – wurde das Haus auf die Gemeinde übertragen. In seinen Dimensionen als Kreiskulturhaus war es gerade in wirtschaftlicher Hinsicht für die Gemeinde aber deutlich zu groß und kostenintensiv. So wurde schnell die Verwaltung durch Streichung aus dem Haus abgezogen und der Versuch unternommen durch Vermietung und Verpachtung privatwirtschaftliche Betreiber zu finden. Diese Versuche scheiterten sämtlich und nebenher konnte mangels Finanzmittel aber auch mangels umfassender Initiative die Bausubstanz nur mehr dürftig erhalten werden.

Im Grunde ein trauriges Bild in einer Region, die durch Abwanderung, Leerstand, Devastierung und Verwahrlosung nicht immer den besten Eindruck hinterlässt. Was ist nötig um hier Perspektive zu schaffen, Anreize für Zukunft, Selbstbewusstsein für die heimische Bevölkerung?

Nicht viel, möchte man sagen! Und die Bemühungen um den Erhalt des Kulturhauses offenbaren ein großes Potential aber eben auch den Willen Zukunft zu ermöglichen. Mit geringsten Mittel wird viel bewegt. Viel individueller Einsatz, unzählige freiwillige Stunden. Ergebnisse sind schon einige sichtbar und es wird weiter gearbeitet! Zukunftsfähigkeit hat viel mit Mut und Zusammengehörigkeit zu tun. Wir wollen etwas bewegen! Gegen den Trend schwimmen. Mit dem erhaltenswerten etwas produktiv anfangen, gar Modelle entwickeln welche auch anderorts Anwendung finden können, dies ist die aktuelle Herausforderung. Devastierung – ein Modebegriff, also alternativloser Abriss, kann keine wirkliche und zumutbare Lösung sein. Gerade soziales und kulturelles Leben bedarf eines Raumes zur Entfaltung. Neben wenigen anderen bietet sich das Kulturhaus Plessa in unserer solchen Region sehr gut an. Der Weg von der Industrielandschaft zur Kulturlandschaft könnte anderswo kaum besser dokumentiert werden.

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