Star-Trompeter Güttler gibt Plessaern Hausaufgaben

Samstag, den 25. Oktober 2008 um 00:00 Uhr

logo lausitzer rundschau gif vom 25.10.2008

Wer das Wort Enthusiasmus erfunden hat, könnte die Plessaer Unermüdlichen vor Augen gehabt haben, die Stunde um Stunde ihrer Freizeit in die Sanierung des kleinen Saales des geschichtsträchtigen Kulturhauses stecken. Am Ziel, hier die 54. Karnevalssaison zu feiern, wird festgehalten, obwohl noch zu Wochenbeginn zwischen Arbeitsmaterial und Gerüsten wenig Land in Sicht war. Doch schon am gestrigen Freitag verkündete Bürgermeister Gottfried Heinicke: "Es ist fast alles gespachtelt."

kulturhaus-plessa-kleiner-saal-ehrenamt-sanierungDieter Herfurth (68) hatte am Dienstag in der Mittagsstunde begonnen, die Grundierung auf die Wände zu bringen, nach 18 Uhr war er immer noch da. Für den gelernten Maler kein Problem. Er war dem Hilferuf gefolgt, der von der ersten Benefizveranstaltung für das Kulturhaus ausging. "Ich habe Höhen und Tiefen das Hauses erlebt, schon vor mehr als 20 Jahren Karnevalswagen mitgebaut", erklärt der Rentner seinen Einsatz. Der gipfelte an diesem Abend darin, dass er Bürgermeister Heinicke Geld für einen Kasten Bier für die Helfer gab, nachdem er mehr als fünf Stunden in die Herrichtung der Kulturhauswände gesteckt hatte.

Inzwischen war auch Alf Dietrich eingetroffen. Der gelernte Maurer und wiedergewählte Volksvertreter hatte schnell die richtige Mischung für das Verputzen der aufgestemmten Kabelgänge angerührt – und schon ging’s auf die Rüstung. Die habe der Bauhof zur Verfügung gestellt, die Zusammenarbeit laufe gut, erklärte der Bürgermeister. Volkhard Thron nickte zustimmend.

Er ist traurig, dass er im Moment aus gesundheitlichen Gründen nicht mit zupacken und nur nach dem Rechten schauen kann. Auch für ihn sei das Kulturhaus so etwas wie eine zweite Heimat. Seit 1987 sorge er mit für die technische Unterhaltung des Hauses. "Der ganze Dreck ist erst mal weg, das war das Schlimmste", denkt Volkhard Thron an die ersten Einsätze im Saal zurück, als zentimeterdicke Tapeten- und Farbschichten von den Wänden geholt worden waren. "Da haben auch die Funken und viele andere mitgeholfen", erzählt er.

Heinickes, Scherers, Werners, Dietrichs – ganze Familien sind mit dem Karneval verbunden und eine Aufzählung kann nicht vollständig sein. So ist die Unterstützung für die Saal-Sanierung ungebrochen. Nur das wirkliche praktische Handanlegen konzentriert sich auf einen harten Kern von Unermüdlichen, die ihr liebgewonnenes Kulturhaus nicht dem Verfall preisgeben wollen. "Ein paar mehr könnten es schon sein, die hier mithelfen. Aber viele können es mit ihrer Arbeit nicht vereinbaren", schiebt der Bürgermeister nach.

Ausbildung mit Doppel-Effekt Deshalb sei er auch froh, dass es über den Gemeinnützigen Verein zur Förderung der beruflichen Bildung (GVFB) in Elsterwerda so tatkräftige Unterstützung gab. In der Ausbildung befindliche junge Leute haben sich bei Ausbesserungs- und Malerarbeiten ins Zeug gelegt. Die Freude liegt auf beiden Seiten. GVFB-Chefin Nora Otto favorisiert praktische Arbeiten, die einen echten Nutzen bringen. Das Projekt in Plessa sei gut geeignet für die Prüfungsvorbereitung. "Zwei Wochen waren die Jugendlichen hier, wir hoffen, dass sie noch mal eine Woche kommen können", sagt Bürgermeister Heinicke. Nach ihrem gestern beendeten Einsatz hätten sie einige Hausaufgaben hinterlassen – die Wände fertig spachteln und schleifen. Da werden wieder Helfer gebraucht – am heutigen Sonnabend geht’s erneut zur Sache, nach dem Frühstück, so ab 9.30 Uhr.

Von der Frauenkirche lernen Apropos Hausaufgaben. Die Plessaer Kulturhaus-Enthusiasten haben sogar welche von ganz prominenter Seite bekommen. Zu viert hatten sie sich auf den Weg zum Dresdner Trompeter Ludwig Güttler gemacht, dessen Name untrennbar mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche verbunden ist. Karnevalspräsident Peter Werner, Lothar Thieme, dessen Schwester Gudrun Thieme-Schmidt, die jahrelang in der Region für den Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) unterwegs war, und Bürgermeister Gottfried Heinicke wissen es zu schätzen, dass sich der Star-Trompeter fast zwei Stunden Zeit für sie genommen hatte. Seine Erfahrungen beim Wiederaufbau der Frauenkirche sollen nun den Plessaern helfen. Jetzt arbeiten sie an der Erledigung der von ihm empfohlenen Hausaufgaben, zu denen die Gründung eines Vereins gehört.

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Unterdessen hat längst der Endspurt für die Vorbereitung der Karnevalsaison begonnen, der neben dem Einstudieren des Programms die handwerklichen Fähigkeiten der Karnevalisten beansprucht. Bürgermeister Heinicke legt Wert auf die Feststellung: "Die Arbeiten sind alle mit dem Amt und den Fachfirmen abgestimmt." Schließlich sind mittlerweile im kleinen Saal auch die Brandmelder verlegt worden, für deren Funktionstüchtigkeit es am Ende grünes Licht von dafür autorisierten Prüfern geben muss. Und noch eines: Alle Arbeiten werden von den bei den Benefizkonzerten eingespielten Mitteln und Spenden finanziert. "Wir haben noch fast 7000 Euro auf dem Konto", bemerkt Gottfried Heinicke. Das entspreche so auch der Beschlusslage der Gemeindevertretung, unterstreicht der Plessaer Amtsdirektor Manfred Drews, der sich mit dem Blick in die Zukunft mehr Akteure wünscht, die das kulturelle Leben im Ort stützen und vielleicht auch das Mühlenfest wieder neu ins Leben rufen. Zunächst soll nun aber am 11.11. die Devise ausgegeben werden "Ob Winterspaß, ob Sonnenschein, der PCC lädt in die Hütte ein". Inwieweit diese Hütte in ihrem Aussehen schon den Wünschen der Saal-Sanierer entspricht, dürfte auch davon abhängen, wie viele Helfer sich bis dahin noch einfinden und zupacken.

Von Gabi Böttcher

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