Plessaer kampfbereit

Montag, den 17. März 2008 um 00:00 Uhr

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Sein oder Nichtsein, Abriss oder Sanierung – noch steht die Zukunft des Kulturhauses in Plessa, 1960 als schönste Kulturstätte des Kreises bezeichnet, in den Sternen. Aber: Der übervolle Saal bei der 1. Benefizveranstaltung zum Erhalt des Hauses war ein klares Votum. „Das Kulturhaus muss erhalten bleiben“, sprach Sieglinde Schenke vielen aus dem Herzen.

kulturhaus-plessa-spendenboxSie erinnert sich an Künstler wie Eberhard Cohrs, Frank Schöbel und Nina Hagen, die hier zu Gast waren. Auch Liane Schütze weiß viel zu berichten: „Die Frühlings- und Herbstbälle waren einmalig. Auch war ich oft zu Verkehrsteilnehmerschulungen und zum Karneval hier. Es wäre wirklich schade, wenn das Haus nicht saniert werden könnte.“ Auch Johannes Walter ist für den Erhalt: „Der Männergesangverein ,Harmonie’ hatte viele Auftritte hier. Unvergesslich sind die Weihnachtskonzerte, die Vorstellungen des Senftenberger Theaters und die Silvesterveranstaltungen. Eine Schließung wäre schade.“ Ihm sei klar, dass der Carnevalsclub allein das Haus nicht halten könne. «Da müssen wir alle zusammenrücken» , so Johannes Walter. Frank Haase ergänzte: „Es wäre ein Verlust für das kulturelle Leben des gesamten Ortes. Ein Stück Geschichte würde verloren gehen. Ich habe 30 Jahre beim Karneval mitgemacht, mir ist das Haus ans Herz gewachsen.“ Wolfgang Wagner meint, dass sich viele Plessaer mit diesem Kulturhaus identifizieren würden, ein Abriss ein herber Verlust wäre. Damit war er wohl mit allen der mehr als 450 Anwesenden einer Meinung.
Die vorerst letzte öffentliche Veranstaltung eröffneten Jürgen Schellschmidt und Lothar Thieme mit den Worten: „Gestern haben wir vor dem Kulturhaus eine Kastanie gepflanzt, heute hat der FC Energie gewonnen – es gibt noch Wunder.“ Unter den Anwesenden waren auch der letzte Kulturhausleiter Andreas Görschner und dessen Vorgänger Walter Kotte, der – hoch in den 70ern – mit dem Fahrrad anradelte. Viel Beifall gab es für ein Schreiben von Prof. Rolf Kuhn, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land
(IBA), mit der Ankündigung: „Ich werde Euch tatkräftig unterstützen.“ Bürgermeister Gottfried Heinicke appellierte: „Schafft das Geld nicht nach Liechtenstein, steckt es in die Plessaer Kulturhaussparbüchse rein!“


kulturhaus plessa Eintrittskarte BenefizkonzertIn einem Film mit selten gezeigten Aufnahmen über den Kulturhausbau von Heinz Raum, ausführlich erläutert von Wolfgang Alkier, wurde die Geschichte des Kulturtempels wieder lebendig. Aber schon damals, 1956, gab es kontroverse Diskussionen: Wozu braucht Plessa ein so großes Kulturhaus? Die Antwort war damals: Eine Nation, die das Kulturelle nicht unterstützt, wird untergehen. Lothar Thieme weiß: „So einen Saal und so eine Bühne wird Plessa nie mehr bekommen. Die jetzt üblichen Mehrzweckhallen sind mit dem Kulturhaus gar nicht vergleichbar. In Plessa muss ein Zeichen gesetzt werden. Zivilcourage ist gefragt.“ Mit ihrer Geschichte vom Rübchen appellierten die Hortkinder: «Zusammen sind wir stark!» Was Plessa alles zu bieten hat, zeigte Susann Heinike der Cathrin Nicklisch bei einer Fahrradtour. Strauße bevölkerten die Tanzfläche, an der Elstermühle wurde geangelt und im alten Kraftwerk Schnaps gebrannt. Die Kinderfunken bekamen viel Beifall, ebenso der Spielmannszug „Deutsche Eiche“ Hirschfeld, die Mädels der Funkengarde mit ihrem „Candyman“, Kristin Schröder, am Piano begleitet von Thea Pecker, drei Plessaer Jungs mit ihren Partnerinnen aus Elsterwerda, Gorden und Stolzenhain. Auch die Tanzmäuschen aus Biehla haben ihre Sache gut gemacht. Und dass das Orchester der Bergarbeiter Plessa der Benefizveranstaltung besonderen Glanz verlieh, versteht sich fast von selbst.

Text und Foto: Bernd Balzer
 
 
 

 

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